Donnerstag, 25. Juni 2015

Abgestaubt - In Vergessenheit geratene Alben wiederentdecken (Teil 1)



Coldplay - Mylo Xyloto

Das heute von mir hier vorgestellte Album heißt „Mylo Xyloto“ und ist von COLDPLAY – eine Band die ich mal sehr schätzte. Bis vor ca. 4-5 Jahren hörte ich noch intensiv ihre Alben. Ich kann mich noch ganz genau an das Erscheinen der Single „Paradise“ im Oktober 2011 erinnern, weil es damals ein sehr warmer Oktober war und ich hier oben an der Küste am Strand lag und von diesem Lied sehr beeindruckt war. Coldplay hörte man als Junge damals eigentlich nur um die Mädels zu beeindrucken: „Ooch Du magst auch Coldplay, ich liiebe diese Band …“. Man muss dem aber auch fairerweise ergänzen, dass ich Coldplay als Rockband in Erinnerung hatte, die zwar keinen harten Rock, aber dafür einen für mich damals interessanten Rock gespielt haben. Wie dem auch sei, mein Musikgeschmack hat sich in den letzten Jahren sehr geändert, Coldplay landeten daher leider ins Musikregal und wurden nur noch sehr selten angespielt. Lediglich bei unseren traditionellen Singstar-Abenden (machen wir schon seit fast 10 Jahren) lebt diese Band auf, weil ich dann immer vieles von den singe. Zurück zu „Mylo Xyloto“. Da der Vorgänger „Viva la vida or Death and all his Friends“ von mir sehr gefeiert wurde („Violet Hill“ ist bis heute mein Lieblingssong von Coldplay), war ich umso mehr auf  das neue Album gespannt. Schon alleine das Cover mit diesen lebensfrohen, bunten Farben erweckte mein Interesse. Neben „Paradise“ war auch schon lange vor dem Erscheinen des Albums die Hitsingle „Every Teardrop Is a Waterfall“ bekannt – ein nettes Poplied. 

„Mylo Xyloto“ ist übrigens ein Konzeptalbum. Es geht um die zwei Protagonisten „Mylo“ und „Xyloto“, welche sich ineinander verlieben. Klingt vielleicht zuerst etwas kitschig, das Album an such ist viel luftiger als man es sich vorstellen mag. Mitgewirkt daran hat auch ein gewisser Brian Eno, dessen Beitrag als „enoxification“ und „additional composition“ aufgelistet wird.
Das eigentliche Album beginnt mit einem luftigen und interessanten Instrumental, welches auch gleich „Mylo Xyloto“ heißt und nahtlos in den nächsten Song „Hurts Like Heaven“ übergeht. Der Song macht einfach Spaß, ist tanzbar und hat Ohrwurmpotenzial. Beide Songs zeichnen sich durch einen etwas asiatischen Sound aus, welcher auch noch öfters auf diesem Album anklingen wird. Danach folgt auch schon der erste Höhepunkt. „Paradise“ war dann damals die Hitsingle schlechthin und lange Zeit mein wirklicher Ohrwurm (was am recht einfachen Refrain liegt). Dieser breite Klangteppich, dieser Sound, die Chöre und diese ganze positive Aura haben mich damals schwer beeindruckt (am Sound hat Eno mitgewirkt). Noch heute bekomme ich von diesem atmosphärischen Intro eine Gänsehaut.  Am besten hört man sich das Lied sehr laut auf einer guten Soundanlage an, dann macht er umso mehr Spaß. Auch das dazugehörige Musikvideo mit dem Elephanten der aus London flieht war gut. Obwohl dieser Song im Prinzip durch die Technik künstlich aufgebläht wurde, war er einer meiner persönlichen Coldplay-Highlights. „Charlie Brown“ beginnt ähnlich interessant um dann in einen schönen Rocksong überzugehen. „Us Against the World“ ist dann die erste Coldplay-Schnulze des Albums und gefällt mir nicht so sehr, obwohl es ganz angenehm ausklingt. Das Album zeichnet sich auch durch viele kleine Instrumentale aus, die als Einleitung dienen. Kennen wir ja eh schon „The Lamb lies down on Broadway“ oder Pink Floyds „The Wall“. Durch diese kleinen Vorboten wirkt das Album einfach viel luftiger. „M.M.I.X.“ ist so ein Beispiel dafür, welches gekonnt als Einleitung für „Every Teardrop Is a Waterfall“ dient. Durch den wieder recht einfachen Refrain und der ganzen positiven Atmosphäre kann sich der Songs als schönen Popsong mit Ohrwurmqualitäten behaupten. Danach wird es angenehm dreckig mit „Major Minus“, eins meiner weiteren Highlights. Coldplay schwülsten ja gerne mal ein wenig rum, aber dieser Song ist ähnlich wie vielleicht „Violet Hill“ etwas rockiger. Gerne hätte ich davon mehr auf diesem Album gehabt. „Princess of China“ war ein weiterer Hit, bei dem Rihanna als Sängerin mitwirkte. Der Son zeichnet sich durch einen recht einfachen, singbaren Text und den elektronischen, stampfenden Sound aus. „Up in Flames“ ist dann typisch Coldplay: Keineswegs schmalzig, aber angenehm weich und wohltuend. Der letzte Verbund aus „A Hopeful Transmission“ und „Don't Let It Break Your Heart“ sorgt dann zum Schluss ähnlich wie die ersten zwei Songs für gute Laune. Das ganze Konzept des Albums basiert ja auf eine „Happy-End-Story“.

Nach knapp 40 Minuten ist das Album schon zu ende. Man fühlte sich fast durchgängig gut unterhalten. Das Album hat in meinen Augen fast kaum Aussetzer. Viele Songs sind atmosphärisch, sorgen für gute Laune und bereiten mir Freude. Gerne hätte ich damals auch ihre Tour zum Album miterlebt, ein Konzert in Leipzig konnte dann aber aufgrund schlechter Zuganbindungen und Bauarbeiten der Bahn nicht besucht werden. Schade eigentlich

Fazit: Im Prinzip führte dieses Album zu Unrecht ein Schattendasein. Viele Songs gefallen mir immer noch sehr, führen zu Ohrwürmen und guter Laune. Neben den ganzen Hitsingles wie „Paradise“, „Princess of China“ oder „Every Teardrop Is a Waterfall“ gibt es aber auch typische Coldplay-Songs wie „Up in Flames“, „Major Minus“, die an alte zeiten erinnern lassen. Ich werde daher mal zusehen, dass das Album auf meinem Auto-USB-Stick landet, sodass es wieder häufiger gehört wird. Vielleicht motiviert es mich dann ja, auch die anderen Coldplay-Alben wieder zu hören.

Ein lustiger Fakt noch zum Schluss: Will Champion – der Schlagzeuger von Coldplay hatte einst Unterricht bei Gary O’Toole.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Erste Eindrücke zu: Silent Cries And Mighty Echoes


Die Suche nach dem teutonischen Ethno-Prog geht weiter…



Leute, schaut mal womit ich meine exquisite Prog-Sammlung verfeinert habe – richtig, mit einem weiteren Album von Eloy. Ich hatte zuerst überlegt, welches der drei zur Whl ausstehenden Alben („Dawn“, „Silent Cries…“ oder „Live (1978)“) ich mir als nächstes anschaffen sollte, es blieb dann bei „Silent Cries And Mighty Echoes“. Ich hatte ehrlichgesagt keine Ahnung, was mich erwarten würde. Von „Ocean“, welches immer noch mit Begeisterung gelauscht wird, kannte ich diesen von Pink Floyd beeinflussten Musikstil und da im Name des hier besprochenen Albums sogar ein Song von den Floyds drinsteht, war ich umso mehr gespannt darauf, dieses Album zu hören. Man sollte wissen, dass ich neben unser aller Lieblingsband Genesis inzwischen auch viel von Pink Floyd kenne und so auch den typischen Stil der „70er-Floyds“. Insofern fällt es natürlich auch auf, wenn man von diesem Musikstil beeinflusst wird. . Aber immer der Reihe nach – ich möchte nicht gleich zum Beginn kritisch sein.

Leider kam heute die neue Scheibe immer noch nicht mit der Post. Hierzulande streiken die Leute von der Deutschen Post gerade. Dank Amazon konnte ich aber via „AudioRip“ schon ein paar Tage früher diesen unbekannten Klängen lauschen.





Und es beginnt ganz atmosphärisch mit „Astral Entrance“. Hatte ich nicht eben geschrieben, ich will nicht gleich anfangs kritisch werden? Ich höre hier sofort „Shine On you crazy Diamond Part I“ heraus. Naja, zumindest sind beide Stücke verblüffend ähnlich. Im Gegensatz zum besagten „Shine On…“ schafft es dieses Stück Musik von Eloy mich nicht vollständig zu überzeugen. Bei „Shine On you crazy Diamond Part I“ läuft es mir jedes Mal kalt den Rücken herunter, weil es einfach zeitlos, perfekt, elegant, größenwahnsinnig-architektonisch und kunstvoll ist. Jetzt versuchten Eloy nun auch so etwas „Ähnliches“ zu schaffen und produzierten im Ergebnis „Astral Entrance“. Zugegebenermaßen: Nett ist es ja, aber es berührt mich nicht sonderlich. Gottseidank wird es im zweiten Teil „Master of Sensation“ selbständiger, rockiger und klingt viel mehr nach Eloy. Die Kombination aus atmosphärischen Strophen und rockig-aggressiven Refrain sorgt für Abwechslung. Dazwischen findet man auch das eine oder andere aus „Ocean“ vertraute Mini-Moog-Solo. Obwohl die Musik großartig ist, nervt hier der stark akzentuierte Sprechgesang. Schön ist anders: „It is hier, it is nier, it is by ouer site…“. Wer singt das eigentlich? Matziol, Rosenthal oder Schmidtchen? Egal, obwohl der Anfang jetzt nicht das Gelbe vom Ei war, konnte sich der Song dann doch zum Positiven entwickeln. Kein Schlechter Song also.


Nach einem etwas holprigen Start folgt dann die spacig-abgefahrene „Apocalypse“ und Bornemanns vertraute Stimme singt uns wieder das anbrechende Ende der Welt vor. Auf einem abgefahrenen Instrumentalteil folgt dann aber ein recht „feminimer“ Teil – so will ich es mal bezeichnen. Die Gastsängerin Brigitte Witt nutz ihre Stimme ganz im Stil von „The Great Gig in the Sky“ als Instrument. Warum Eloy nun dieses Element unbedingt in dieses Album einbauten, können Eloy wohl nur selbst erklären. Wer Torrys Gesang auf „Great Gig…“ allerdings nicht sonderlich mochte und als Frauengekreische abtat, wird wohlmöglich mit der hier vorhandenen recht  netten Gesangseinlage mehr anfangen können.

Ich denke schon, dass „Great Gig…“ hier als Inspiration diente – gewisse Ähnlichkeiten sind vorhanden. Gottseidank haben Eloy nicht wie an manch anderen Stellen Pink Floyd gecovert. Insgesamt fügt sich Witts Gesang aber dann doch ganz stimmig ein. Zum Schluss wird es dann aber noch mal spaciger und atmosphärischer ehe der Song dann nach fast 15 Minuten zu Ende ist. Insgesamt eines der Highlights des Albums.



„Pilot To Paradise“ beginnt mit einem treibenden Beat und zeigt Klaus-Peter Matziols Können am Bass. Frank Bornemann singt wieder allerhand mystischen Kram über das Paradies, verschluckte Schlüssel und Lichter am Ende des Tunnels. Schmidtchens Keyboards prägen auch hier wieder deutlich das Stück, obwohl sich die Gitarre auch stellenweise durchsetzen darf. Zum Schluss wird’s wieder etwas rockiger. Natürlich darf auch hier das Eloy-typische Minimoog-Solo nicht fehlen ehe Bornemann an der E-Gitarre fast schon „hackett-artig“ das Lied zu Ende bringt. Insgesamt ist „Pilot To Paradise“ kein schlechtes Stück, aber leider bleibt der große Höhepunkt aus.


Das darauffolgende „De Labore Solis“ ist weitaus ruhiger und sehr keyboardbetont. Der Songtext ist mit seinen Blüten, Bienen, Prinzessin und Tänzen etwas zu sehr esoterisch. Man könnte es auch schnulzig nennen. Leider sorgt die recht langweilig-monotone Musik dafür, dass man sich gezwungen fühlt die Skip-Taste zu drücken. Ich kann mit diesem süßlichen Song leider wenig anfangen. Für mich der erste richtige Durchhänger. Gottseidank sind es nur knapp 5 Minuten, die zu ertragen sind.


Zum Schluss folgt dann das titelgebende Stück „Mighty Echoes“. Es fängt geheimnisvoll-interessant an, doch leider kann der anschließende Songteil nicht mehr das einhalten, was das Vorspiel verspricht. Ab dann wird’s nämlich etwas langweilig. Nur der abschließende Instrumentalteil mit einem recht gefälligen Gitarrensolo im Stil eines David Gilmour rettet das Stück dann doch vorm Untergang in die Belanglosigkeit. Das ist sehr schade, denn der Stil ist eigenständiger. Aber leider gelingt ihnen zum Ende des Albums kein ordentlicher Abschluss. Dabei könnte man durchaus noch mal ein Highlight wie „The Apocalypse“ oder „Atlantis' Agony“ vom Vorgängeralbum gebrauchen. Besser als der Song davor, ist „Mighty Echoes“ schon, aber ich hätte viel mehr vom letzten Song dieses an sich nichts schlechten Albums erwartet.


Leider konnten Eloy auf „Silent Cries And Mighty Echoes“ das hohe Niveau vom Vorgängeralbum „Ocean“ nicht durchweg halten. War der Vorgänger fast perfekt, so ziegen sich hier dann doch einige Schwächen. Da wäre zu allererst diese Pink Floyd-Manie. Warum nun „Astral Entrance“ eine „Shine On you crazy Diamond Part I“-Kopie sein muss und „Force Majeure“ – der letze Teil von „The Apocalyse“ an „The Great Gig…“ erinnert, versteh ich nicht so recht. Denn: Wie das Ende des Albums zeigt, können Eloy gekonnt gute Musik mit ihrem eigenen Stil komponieren ohne Teile von Pink Floyd zu klauen. Über den Namen des Albums an sich, lass ich mich an dieser Stelle mal nicht aus. Vielleicht ist es ja einfach ein Zufall. An manchen Stellen verlieren sich Eloy zu sehr – es klingt ein wenig uninspiriert. Leider ist der zweite Teil des Albums von dieser Tatsache stark betroffen. Besonders schlimm ist es bei „De Labore Solis“ – für mich das schwächste Lied des Albums. An anderer Stelle wiederum fehlt die nötige Kraft, um die geheimnisvoll-spacigen Texte mit der passenden, ebenbürtigen Musik umzusetzen. So bleibt ein gutes Album übrig, welches aber die eine oder andere Schwäche hat. Für mich sind das immer noch gute 11 Punkte.

Montag, 25. Mai 2015

Eloy und ihr erfolgreichstes Album „Ocean“


Teutonen-ProgRock für Einsteiger

Heute beschäftigen wir uns doch mal mit einer Band namens „Eloy“. Das „Eloy“ eine (west-)deutsche ProgRock-Band ist, wusste ich nicht, geschweige denn das es sie gibt, aber das was ich zu hören bekam hat mich richtig angesprochen: Es war der Song „Poseidon's Creation“ – ein mystisches und sehr mitreißendes Stück Musik. So kam es dazu, dass ich mir das dazugehörige Album „Ocean“ gekauft habe und seitdem intensiv höre. 



„Poseidon's Creation“ ist wunderschön: Da ist der melancholisch vorgetragene Gesang von Frank Bornemann (zum Gesang später mehr…), der breite Klangteppich von Detlev Schmidtchen oder das imposante Bassspiel von Klaus-Peter Matziol. Selten war ich von Anfang an so begeistert, wie beidiesem Song. Der kräftiger Start und das fast schon symphonische Ausklingen machen diesen Song zu einem echten Juwel. Man wird in mehr als 11 Minuten über die Liebe Poseidons zu Kleito weggerissen.
Das darauffolgende „Incarnation of the Logos“ wird von Schmidtchen’s Keyboards förmlich zugebuttert, eher dann ein spannender Instrumentalteil folgt. Das Basspiel ist auch hier sehr virtuos und zum Schluss gibt es wieder reichlich Chöre zu hören. Wie schon das erste Stück zuvor, ist auch „Incarnation of the Logos“ vom Sound her sehr symphonisch, man möchte sagen schon fast „New-Age“-artig. Schmidtchen, der zum Ende hin auch etwas singen darf, ist in seinem Gesang besser als der von Frank Bornemann.
Im darauffolgenden Song „Decay of the Logos“ wird man deutlich an Pink Floyd erinnert. Die ersten zwei Songs machten ja schon Andeutungen in die Richtung, aber spätestens ab hier ist klar, dass die Jungs von „Eloy“ damals wohl sehr von „Wish You Were Here“ und „Animals“ beeinflusst wurden. Die Keyboards von Richard Wright wurden hier fast 1:1 übetragen. Besonders das Streicherkeyboard von Solina und der Mini-Moog wurden auf „Ocean“ extensiv eingesetzt. Nach einer floydigen Einleitung wird es dann im Textteil deutlich rockiger, als es die ersten zwei Songs zuvor waren. Trotzallerdem bleibt die melancholische Grundstimmung auch hier erhalten. Zum Schluss folgt dann das viertelstündige „Atlantis' Agony“, welches erst mal gleich mit einem von Jürgen Rosenthal gesprochenen Epilog beginnt. Leider ist dieser ziemlich schräg, da das Englisch hier dermaßen deutsch ausgesprochen wird, sodass man den Epilog, der eigentlich warnend und bedrohlich wirken soll, nicht wirklich ernst nehmen kann. Rosenthal sollte mal lernen, wie man das „th“ richtig auspicht. Der eigentliche Song beginnt dann minutenlang mit einem sehr atmosphärischen Klangteppich, bestehend aus allerhand Keyboardsounds und eingestreuten Sätzen. Erst nach über 8 Minuten darf Bornemann dann über das Ende der Menschheit singen. Spätestens wenn man von Bonemann „It's light shines! Shine on!“ hört, wird auch hier eindeutig, welches Musikstück hier als Inspiration diente. Scheinen ja alle große Floyd-Fans gewesen zu sein. Zum Ende gibt es dann wieder einen Instrumentalteil, geprägt von Solina String Ensemble und Minimoog. Im Gegensatz zu Pink Floyd fehlt aber auf „Ocean“ ein David Gilmour - sprich die Gitarre. Wer keyboardlastigen New-Age-Prog mag, fühlt sich hier sicher gut aufgehoben.
Die Idee eines Konzeptalbums über die versunkene Stadt Atlantis finde ich sehr interessant. Text und Musik schaffen ein mystisches, atmosphärisches Epos, welches man nur als gelungen bezeichnen kann. Einziger Wehrmutstropfen: Der Gesang. Bonemann und Co. singen auf „Ocean“ ziemlich akzentuiert. Durch dieses Hannover-Englisch verlieren die an sich starken Songs etwas an Kraft. Gottseidank schafft es die Musik (fast immer) diese Defizite auszugleichen. So bleibt zum Ende ein sphärisches, melancholisches, eindrucksvolles Album übrig, welches mir bisher viel Freude bereitet hat. Von „Ocean“ soll es einen Nachfolger geben, ob dieser an das hier beschriebene Album herankommt weiß ich allerdings nicht. Ich kenne bisher aber auch nur dieses Album.

Ach ja: 13 von 15 Punkte.

Dienstag, 7. April 2015

Pink Floyd - A Saucerful of Secrets

Ich hab die freien Tage rund um das Osterfest genutzt, um endlich mal wieder intensiv die Musik von Pink Floyd zu hören. Weil ich mich ständig dabei erwische die „The Division Bell“ zu hören, hab ich mir dieses Mal die „A Saucerful of Secrets“ und „Ummagumma“ vorgenommen. Beim letzteren war es aber auch nur das Livealbum, denn bei der Studioseite bin ich nie über „Sysyphus“ hinausgekommen. Vielleicht sollte ich bevor ich mir den Rest antu wieder etwas „Musik“ von Karlheinz Stockhausen hören. Jedenfalls war das Hören der Saucerful of Secrets allemal eine interessante Erfahrung....



„Let There Be More Light“, das erste Lid des Albums, beginnt mit einer spannenden Bass-Linie, welche dann in einem eingängigen Gesangsteil aufgeht. Keine Ahnung warum, aber irgendwie mag ich dieses kleine Liedchen. Vielleicht, weil es recht eingängig ist und man gerne dazu mitsingen möchte. Das von Rick Wright geschriebene „Remember A Day“ ist ein kurzweiliges, melancholisches Lied, welches nicht groß stört, aber auch nicht besonders auffällt. „Summer `68“ von „Atom Heart Mother“ gefällt mir weit mehr. Also auf zum nächsten Song: „Set The Controls For The Heart Of The Sun“ würde ich als typische Drogen-Dudel-Musik der späten 60er Jahre bezeichnen wollen. Eine monotoner Bass, eingängige aber einfache Keyboard-Melodie und dazu noch dieser merkwürdige Gesang von Roger Waters machen es zu einem tollen Vertreter des Psychedilic-Rocks. Es klingt leicht fernöstlich, Nick Mason unterstreicht dies durch die Pauken und Rick Wright spielt auf dazu noch auf dem Vibraphon. Auf dem Album ist das Lied etwas zu langweilig. Viel spannender sind die ausgedehnten Liveversionen, von denen ich immer wieder gerne die der „Ummagumma“ bevorzuge (Man könnte aber auch ketzerisch behaupten, dass die Songs live bis zum „Geht-nicht-mehr“ ausgedudelt wurden…). Das darauffolgende „Corporal Clegg“ empfinde ich als recht nervig, was zum einem am Gebrauch des Kazoos liegen mag, zum anderem aber aufgrund des schwachen Gesangs von Mason. Interessant ist allerdings der Songtext, indem Roger Waters lange vor „The Final Cut“ das Thema des Krieges thematisiert, wenn hier auch noch satirisch. Dennoch ist „Corporal Clegg“ einer der schwächsten Songs des Albums, wie ich finde. Dafür wird man anschließend gleich wieder getröstet, denn es folgt wohl das erste Highlight im Schaffen von Pink Floyd: „A Saucerful Of Secrets“ ist der erste lange Song welcher schon die Richtung des Space/Prog/Art-Rocks vorgibt. Das aus vier Teilen bestehende Instrumental ist äußerst interessant. Im ersten Teil „Something Else“ gibt es lauter lustige Klangkollagen zu hören, die mich sehr an den dritten Teil von Ricks „Sysyphus“ erinnern. „Ummagumma“ wurde doch erst nach „Saucerdul Of Secrets“ aufgenommen, oder? Vielleicht hat sich Wright beim Schreiben von „Sysyphus“ an den das vorige Album erinnert. Das daruffolgende „Syncopated Pandemonium“ ist nicht minder verstörter aber vor allem auf der „Live at Pompeij“ ganz witzig anzuschauen. Hier merkt man deutlich, wie sehr sich Pink Floyd zum Ende der 60er Jahre/Anfang der 70er Jahre den Stilmitteln der avantgardischen Musik bedienen. Der letzte Teil namens „Celestial Voices“ ist im Gegensatz zu den anderen Teilen weitaus friedlicher, dafür aber sehr ergreifend. Man fühlt sich wie in einer Kirche und spätestens beim Einsatz des Mellotrons samt von Gilmour und Wright gesungenem Chor läuft es einem kalt den Rücken runter. Auch hier sollen nochmal die tollen Liveversionen der „Ummagumma“ und „Live at Pomeij“ erwähnt werden. Als nächstes folgt ein weiteres Lied aus der Feder Wrights, allerdings ist „See-Saw“ um einiges süßlicher als „Remember A Day“. War letzteres noch recht angenehm, so hat man hier doch zu viel mit Zucker zugekleistert. Die darauffolgende Barett-Komposition „Jugband Blues“ will danach irgendwie nicht so recht auf das Album passen. Der Song ist keineswegs schlecht, sondern recht originell, aber es entspricht in meinen Augen nicht mehr dem Rest des Albums.
Zusammenfassend könnte man sagen, dass „A Saucerful Of Secrets“ ein wenig durchwachsen ist. Einige Songs wie der Titelsong, „Let There Be More Light“ oder Set The Controls For The Heart Of The Sun“ sind ganz gut gelungen. Andere eher weniger wie „Corporal Clegg“ oder „See-Saw“. Da es zum Glück noch weit bessere Alben von Pink Floyd gibt, vergebe ich für dieses Album mal 9 Punkte. Als nächstes werde ich dann irgendwann über „Ummagumma“ berichten, aber dafür muss ich erst einmal die Studio-Seite überstehen. Oder ist diese doch nicht so schlimm, wie alle immer meinen?

Dienstag, 23. Dezember 2014

Die berühmte Roland SR-JV-80 Serie


Ich möchte an dieser Stelle in wenig über die Roland SR-JV80-Serie sprechen. Die Roland JV-Serie ist inzwischen fast legendär, und auch mein Equipment beinhaltet diese Erweiterungsplatinen. Aber fangen wir mal von vorne an: 

Anfang der 90 Jahre erschien der langersehnte Nachfolger der Roland U-Serie (Rack-Expander waren U-110 und U-220, die Keyboards hießen Roland U-10 und U-20). Es waren ROMpler, also im Prinzip Synthesizer die mit Samples nahezu realistische Sounds erzeugen konnten (3). Die Roland JV-Serie setze konsequent das Konzept der Roland U-Serie weiter fort und verbesserte die Klangsynthese um viele Faktoren. Es gab mehrere Hüllkurven (WG-ENV, TVF-ENV, TVA-ENV), einen schönen Filter, Chorus, Reverb und eine Art FM namens FXM.
Das Beste an den Konzept der Roland JV-Linie war aber die Erweiterbarkeit. Zusätzlich zu den bekannten Soundkarten konnte man ohne großen Aufwand Erweiterungskarten in die JV-Synthesizer einbauen. Laut Amazona.de sind es ganze 8 MB an Sample-Klängen, die eine solche Platine enthält. Das muss man sich zu der damaligen Zeit in den frühen 90er Jahren einmal vorstellen. Ein Sampler war damals noch richtig teuer, aber wer einen JV-Synthesizer besaß, konnte für ein paar hundert Mark eine solche Platine mit tollen Samples kaufen und in die Synthesizer einbauen. Das Geheimnis ist natürlich nicht nur das schnöde Abfeuern der Klänge, sondern das geschickte Modifizieren der Patches durch die JV/XV-Synthese.

Es gab den Roland JV-880 als ersten Nachfolger des Roland U-220, welcher ein Expansionsboard aufnehmen konnte (3). Der weitaus berühmtere Nachfolger Roland JV-1080 konnte ganze vier solcher Wave Boards schlucken. Die abgespeckte Variante JV-1010 konnte wie der JV-880 ein Board aufnehmen, hatte aber dafür schon das SR-JV80-09 Board „Session“ eingebaut. Auf dem JV-1080 folgte der JV-2080, welcher 8 (!!) Erweiterungsboards aufnehmen konnte. Somit hatte man die Möglichkeit zu den sowiso schon zur Verfügung stehenden Patches, viele weitere Sounds von den Wave Boards zu integrieren. Die SR-JV80-Karten sind auch heute noch bei Ebay um die 80-100 € teuer, was zeigt, dass die Karten immer noch äußerst begehrt sind. Auf Ebay gab es schon Auktionen wo ein normaler JV-1080 für 120 € wegging, mit vier Erweiterungskarten aber um die 300 € erreicht hat. Beim JV-2080 ist natürlich teurer, als beim JV-10X0.
Das Tolle an den Erweiterungsboards ist die Qualität, die manche Samples haben. Allerdings muss man auch hier aufpassen, dass man die richtigen Karten erwischt. Insgesamt gab es glaube ich über 18 solcher Karten. Die Wesentlichen sind die hier (2):

· Roland SR-JV80-01 (Pop)
· Roland SR-JV80-02 (Orchestral I)
· Roland SR-JV80-03 (Piano)
· Roland SR-JV80-04 (Vintage Synth)
· Roland SR-JV80-05 (World)
· Roland SR-JV80-06 (Dance)
· Roland SR-JV80-07 (Super Sound Set)
· Roland SR-JV80-08 (60’s and 70’s Keyboards)
· Roland SR-JV80-09 (Session)
· Roland SR-JV80-10 (Bass and Drums)
· Roland SR-JV80-11 (Techno)
· Roland SR-JV80-12 (Hip-Hop)
· Roland SR-JV80-13 (Vocal)
· Roland SR-JV80-14 (Asia)
· Roland SR-JV80-15 (Special FX)
· Roland SR-JV80-16 (Orchestral II)
· Roland SR-JV80-98 (Experience II)
· Roland SR-JV80-99 (Experience I)

Die allererste Karte „Pop“ ist von der Qualität noch recht bescheiden, aber die zweite Karte Roland SR-JV80-02 (Orchestral I) – welche u.a. in meinem Roland JV-Equipment ist – hat eine unglaubliche Qualität. Als Klassik beeinflusster Mensch mit einer Neigung zu orchestralen Klängen war diese Karte quasi ein Muss. Es gibt da so viele schöne String-Sounds, die zum Dahinschmelzen sind. Weiterhin gibt es viele Brass-Sounds die man von einem Orchester kennt, Chöre, Glockenspiele usw. Ich finde es toll, dass man die Sounds einfach ohne große Probleme abspielen kann, und nicht erst wie beim Sampler erst laden muss. Die SR-JV80-Sounds sind sofort verfügbar. Mein Traum war es schon immer: Das Orchester aus einem Sampler. Dank der „Orchestral-Karte“ wurde es immerhin zu einem Orchester aus einem ROMpler. Ich behaupte einfach mal, dass die Sounds immer noch recht hübsch sind. Selbstverständlich klingen die Sounds typisch nach Roland in den 90ern, aber ich mag diese Sounds irgendwie (1, 2).


Bild: Die Roland SR-JV80-02 Erweiterungskarte Orchestral und mein Roland JV-80 Keyboard


Ein weiteres Erweiterungsboard, welches ich noch vorstellen möchte (und ebenfalls besitze), ist das Roland SR-JV80-09 Board „Session“. Es gibt nicht viele Sounds auf der Karte, aber dafür sind sie in meinen Augen qualitativ hochwertig. Das enthält noch mehr schöne String-Sounds, warme Chöre, schöne Piano-Sounds und sogar eine Mellotron-Flöte ist dabei. Vielleicht sollte man von dem Piano-Sound nicht superduper erstklassiges erwarten, so ein Piano-Sound ist sicher nicht das Nonplusultra im Vergleich zu einem „Steinberg The Grand“, aber für meine Zwecke ist der Klang des Pianos beeindruckend und voll ausreichend. Eine schöne Qualität, wie man sie von Roland gewöhnt ist.
Die Roland SR-JV80-Serie hat dann zum Ende der 90 Jahre eine Nachfolger-Serie bekomme, namens Roland SRX, die man glaub ich immer noch in den Fantoms einbauen kann. Allerdings find ich die Auswahl der Karten nicht ganz so toll, wie die der Roland SR-JV80-Serie. Die SR-JV80-Karten haben immer noch einen gewissen Stellenwert und überraschen durchaus auch heute noch mit ihren teils qualitativ hochwertigen Sounds. Ich bin froh, dass ich meine Erweiterungskarten vor langer Zeit recht günstig bei Ebay bekommen habe. Inzwischen sind die Preise wieder deutlich nach oben gewandert. Besonders das „Orchestral-Board“ ist wieder sündhaft teuer geworden. Wenn ich das bei Ebay verkaufen würde, könnt ich mir davon wohl für das Geld noch einen weiteren Roland JV-1080 kaufen. Verrückte Welt…

Hat einer von Euch sonst noch Erfahrungen mit den Wave Expansionsboards von Roland? Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungsberichte. Nur Mut!

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Quellen: 
u.a. Roland-Handbücher (JV-80/880; JV-1080; JV-2080) (1), eigene Erfahrung (^^),
Testberichte auf Amazona.de zur Roland SR-JV80-Serie (siehe hier:Test: Roland Soundboards für JV und XP Synthesizer - AMAZONA.de) (2) und Testbericht zu den Roland JV/XP/XV-Synthesizern (3) (siehe hier: Green Box: Roland JV-880, JV-1080, JV-2080, XV-3080, XV-5080 - AMAZONA.de)