Donnerstag, 31. März 2016

Tony Banks: The Fugitive (2016 Digital Remaster)



Gelungene Wiederveröffentlichung und ein toller 5.1-Mix!

Nun war es endlich soweit. Im Rahmen der von Esoteric Recordings betreuten Wiederveröffentlichungs-Kampagne wurde sein zweites Studioalbum „The Fugitive“ in einer remixten Version (inklusive 5.1-Version) veröffentlicht. Das Album ist im Vergleich zum Vorgänger „A Curious Feeling“ (Immer noch mein Lieblingsalbum von Tony Banks) viel direkter, eingängiger. Zudem singt Tony Banks, mit Ausnahme der zwei instrumentalen Stücke, alle Songs selbst. Die Songs sind allesamt recht eingängig, einfach oder zuweilen auch recht platt. Besonders die Songtexte zeugen teils nicht von allzu großem Einfallsreichtum. Hintergrund ist natürlich der, dass Tony die Texte absichtlich einfach hielt, um sie singen zu können (während Phil Collins später z.B. auf „Domino“  etwas von „Sheets of double glazing“ singen durfte ;-) ). Tonys Stimme ist manchmal zu verkrampft, aber ich zähle wohl zu den wenigen, der seine Singstimme mag. Das Album war seinerzeit nicht sehr erfolgreich, obwohl das Potential sicher groß war. Einen kleinen Erfolg hätte ich ihm damals durchaus gegönnt.
Nichtsdestotrotz wurde das Album im März 2016 neu herausgebracht. Auf der „A Chord too Far“-Box konnte man letztes Jahr schon heraushören, was einem erwartet. Meine Vorfreude war dementsprechend groß. Als das Album dann endlich ankam, war ich mehr als erfreut. Der neue Stereo-Remix klingt fantastisch, es ist so, als ob man eine Decke vor den Lautsprechern entfernt hat. Die Musik klingt plötzlich viel kraftvoller. Gewinner sind „This Is Love“, „And The Wheels Keep Turning“ und mein Lieblingssong „At the Edge of Night“. Mir fielen nebenbei auch wieder die peinlichen Songtexte auf, aber ich hab trotzdem laut mitgesungen (Die Songs kann ich mittlerweile fehlerfrei mitsingen…). Der luftige 5.1-Mix tut da sein übriges, dieser ist sehr gelungen. Alles klingt viel klarer, ich höre plötzlich Dinge (Percussions, Drums etc.) raus, die ich zuvor nie bemerkt habe. Mit fielen so zum Beispiel bei „By You“ Percussions auf, die vorher kaum raus zuhören waren. Vor allem wird man aber nicht mehr von einem regelrechten Keyboardbrei umhüllt (es gibt auch Gitarren zu hören!).

Die 5.1-Variante kommt in einem stabilen Hardbook mit abwaschbaren Deckeln daher. In diesem gibt es allerhand Informationen zum Album, Linernotes von Herrn Banks persönlich (sind dieselben wie bei der „A Chord too Far“-Box) und natürlich die Songtexte. Was man wohlmöglich kritisieren könnte, ist das die CD und die DVD jeweils in zwei „Taschen“, welche an den beiden Deckeln kleben, untergebracht sind. Beim Herausholen der Discs sollte man lieber vorsichtig sein.  
Zusammenfassend kann man getrost sagen, dass sich die Arbeit in den Remix mehr als gelohnt hat. Ich dachte all die Jahre, dass die Songs immer schlechter altern – mit dieser neuen Version strahlen die Songs wieder und klingen frisch wie nie zuvor. Allen Banksianern rate ich dringend zum Kauf, und wer das nötige Equipment besitzt, sollte vielleicht auch die 5.1-Version in Betracht ziehen! 

Bildquelle: Tony Banks / Facebook (https://www.facebook.com/tonybanksofficial/?fref=ts)

(Die 2016er Wiederveröffentlichung von "A Curious Feeling" (rechts) und die 5.1-Version von "The Fugitive")

Dienstag, 29. März 2016

AnnenMayKantereit: Alles nix konkretes (2016) - Kurzkritik



Verschenktes Potential – oder auch ein gutes Beispiel für eine übervorsichtige Produktion

AnnenMayKantereit werden ja immer wieder gerne als Deutschlands bekannteste unbekannteste Band beschrieben (hab ich zumindest immer so raus gehört). Ihr neues Album machte mich (als Fan von Jennifer Rostock) neugierig auf ihre Musik und ihren Output. YouTube-Videos und Live-Berichte taten ihr übriges. Umso mehr war ich auf das Album gespannt. Was dann aber kam war recht ernüchternd, gar enttäuschend. Ich möchte mich den anderen Rezensenten anschließen: Die Songs sind allesamt angenehm bis ausgezeichnet (vor allem „Oft gefragt“ und „Barfuß am Klavier“ sind  hervorragende Lieder), die Produktion allerdings suboptimal. Ein Kollege spricht hier von „Verschlimmbesserung“ und genau so ist es! Insbesondere Henning Mays markante, raue Stimme wurde schlichtweg glattgebügelt – was mehr als Schade ist (wer die Band live gesehen hat und die YouTube-Videos kennt, weiß wovon ich rede...). Zusammenfassen kann man sagen, dass durch die weichgewaschene Produktion viel Potenzial verloren gegangen ist. Sehr bedauerlich! 

Bildquelle: Amazon (http://www.amazon.de/dp/B018HEKBB8/ref=pdp_new_dp_review)
Abgerufen am 29.03.2016 /http://www.amazon.de

Freitag, 22. Januar 2016

Steven Wilson: 4 ½ (2016) - Erster Eindruck

Interessantes 'Mini-Album' - allerdings mit einigen Schwachpunkten


Nach knapp einem Jahr gibt es von Steven Wilson neues Material in Form einer EP (Extended Play) namens „4 ½“. Von den insgesamt sechs Songs stammen vier Songs aus den Aufnahmesessions zu „Hand. Cannot. Erase“ und einer aus den Sessions zu „The Raven That Refused to Sing“. Außerdem findet sich auf der EP noch eine Neuauflage des Porcupine Tree-Songs „Don't Hate Me“. Da mir „Hand. Cannot. Erase.“ zuletzt sehr gefallen hat, war ich sehr gespannt darauf, wie die (überwiegend) neuen Songs klingen. Hier ein erster Eindruck:

Das erste Stück „My Book of Regrets“ ist ein ausuferndes, über neuneinhalb Minuten langes Prog-Rock Werk mit vielen Facetten. Es fängt etwas zaghaft a, geht dann aber ab dem zweiten Viertel in einen groovigen Instrumentalteil über. Besonders schön ist das Gitarrensolo zum Ende, begleitet von angenehmen Mellotron-Streichern und einer Hammond-Orgel. Zum Schluss wird dann das Anfangsmotiv wieder aufgegriffen. „My Book of Regrets“ ist abwechslungsreich, unterhaltsam und dabei dennoch kreativ – mein erstes Highlight dieses „Mini-Albums“. Als nächstes wird es dann entspannter. Das Instrumental „Year of the Plague“ stammt aus den Sessions zu „The Raven That Refused to Sing“. Es zählt für mich leider zu den eher schwächeren Songs dieser EP. Steven Wilson spielt hier und da für meinen Geschmack zu sehr mit verschiedenen Samples (Violine, Chöre usw.) herum. Man kann es sich gefahrlos anhören, allerdings ist das Instrumental für meinen Geschmack dann doch zu belanglos. Die leichte, freundliche und zugängliche Seite wird mit „Happiness III“ repräsentiert. Ähnlich wie „Hand Cannot Erase“ (gemeint ist der Song), geht der Song sofort ins Ohr. In einer gekürzten Fassung, könnte ich mir den Song auch durchaus im Radio vorstellen. Darauf folgt dann ein weiteres Instrumental: „Sunday Rain Sets In“, dieses Mal aus den Aufnahmesessions zu „Hand. Cannot. Erase“. Kurzum: Es ist ganz nett. Wie aber auch das schon von mir erwähnte „Year of the Plague“, ist das Stück eher bedeutungslos. Dafür wird anschließend wieder spannender. Ein weiteres Highlight ist für mich das treibende, instrumentale „Vermillioncore“. Das Stück wurde bereits 2013 geschrieben, und im letzten Jahr fertiggestellt. Im Gegensatz zu den Tracks 2-4, ist „Vermillioncore“ endlich wieder rockig. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang das groovige Bassspiel von Nick Beggs – einfach großartig.
Zum Abschluss gibt es dann eine Neuaufnahme des Porcupine Tree-Klassikers „Don't Hate Me“. Es soll auf der letzten Europa-Tournee aufgenommen worden sein. Dazu kamen dann laut Booklet einige nachträgliche Bearbeitungen im Studio. Steven Wilson singt diesen Song im Duett mit Ninet Tayeb, welche bereits auf „Hand. Cannot. Erase.“ mitwirkte. Wer jetzt aber an das hervorragende und emotionale „Routine“ denkt, wird etwas enttäuscht sein. Ninet kommt mit ihren Gesangskünsten nicht voll zur Geltung. Obwohl die Neuaufnahme einige interessante Fassetten bietet, gefällt mir das Original doch etwas mehr.

Zusammenfassend erhält man mit der EP „4 ½“ eine ordentliche Mischung aus Outtakes und Neuaufnahmen in der gewohnten hohen Qualität. Meine Highlights sind eindeutig „My Book of Regrets“, das instrumentale „Vermillioncore“ und „Don't Hate Me“. Allerdings können die anderen drei Songs das hohe Niveau der anderen Tracks nicht aufrechterhalten. „Happiness III“ ist leichtgängig und dabei trotzdem gut, aber „Year of the Plague“ und „Sunday Rain Sets In“ fallen im Gegensatz zum Rest ab. Aber vielleicht erschließen mich diese zwei Stücke nach einer Zeit noch. Ich möchte daher nochmal betonen, dass dies hier erste Eindrücke sind – wohlmöglich kann es in drei-vier Monaten ganz anders aussehen („Hand. Cannot. Erase.“ brauchte bei mir auch erst eine Zeit, bis es gezündet hat). Momentan geb ich der EP aber vier von fünf Sternen. Was meint ihr?


Sonntag, 20. September 2015

Steve Hackett live in Hamburg (September 2015)


Acolyte To Wolflight with Genesis Revisited

Freitagnachmittag, ich sitze im Zug nach Hamburg, vor mir liegt eine mehr als vierstündige Fahrt mit verschiedenen Regionalbahnen und freue mich schon sehr auf das mir bevorstehende Konzert. Im Rahmen seiner Herbst-Tour 2015, die unter dem tollen Namen Acolyte To Wolflight with Genesis Revisited läuft, machte Steve Hackett auch am 11. September 2015 in der Hamburger Laeiszhalle halt. Als großer Hackett-Fan war meine Vorfreude entsprechend groß und fieberte schon Wochen vor dem Ereignis dem entgegen. Die Hamburger Laeiszhalle ist ein altes, traditionsreiches Konzerthaus. Mit einer prachtvollen Außerchitektur wirkt das Gebäude Johannes-Brahms-Platz eher wie ein Ort für Opern und Symphonien anstelle eines Rockkonzertes. Auch das Innere der Halle wirkte mit seinen roten Sitzen, der kunstvollen Gestaltung und einer großen Orgel sehr würdevoll und erhaben. Der große Saal nimmt über 2000 Zuschauerplätze auf, und ich war überrascht, dass der Saal an diesem Abend üppig gefüllt war – inklusive den Sitzen auf den oberen Rängen. An dieser Stelle möchte ich mich noch ein Mal beim Deutschen Genesis Fanclub it für die Ticketaktion bedanken, so bekamen wir Top-Sitzplätze. Die Bühne war recht überschaubar, nicht sehr groß und dadurch wirkte alles viel gemütlicher. Das Publikum wirkte vor dem Konzert sehr gefasst und man merkte nach Überschreiten der 20 Uhr-Marke regelrecht, wie die Spannung stieg.

DAS KONZERT

Um kurz nach 20 Uhr ging es dann auch los. Das Konzert dauerte gute 3 Stunden, inklusive einer 20 minütigen Pause. Die erste Hälfte bestand ausschließlich aus Hackett-Solosongs, nach der Pause wurde dann ein Genesis-Block gespielt. Die Setlist war dieselbe wie auch schon in Stockholm und bestand aus folgenden Songs:

Set 1:
Spectral Mornings
Out of the Body
Wolflight
Every Day
Love Song to a Vampire
The Wheel's Turning
The Steppes
Loving Sea
Star of Sirius
Ace of Wands
A Tower Struck Down
Clocks - The Angel of Mons
Shadow of the Hierophant (instrumental only)

Set 2:
Get 'em Out by Friday
Can-Utility and the Coastliners
After the Ordeal
The Cinema Show
Aisle of Plenty
Hairless Heart
The Lamb Lies Down on Broadway
The Musical Box

Encore:
Icarus Ascending
Firth of Fifth

Mir war die Setlist wage bekannt – das ließe sich dank meiner Neugierde doch nicht vermeiden, war aber des öfteren positiv überrascht, welche Songs Steve an diesem Abend spielte. Es war ein recht kontrastreiches Programm, bestehend aus intensiven und ruhigeren Songs. Alleine der Anfang war grandios. Schon zu Beginn spielte die Band den Klassiker Spectral Mornings – eine ungewöhnliche und mutige Wahl, denn dieses Instrumental dürfte *DAS* Hackett-Stück schlechthin sein. Ob dieses Stück als Opener gut geeignet ist oder nicht, ist sicher Ansichtssache. Dennoch war es ein wundervoller Start und sofort war die Gänsehaut bei mir da. Danach gab es mit Out of the Body und Wolflight zwei Songs seines aktuellen Albums und besonders hier war es interessant zu erfahren, wie diese neuen Songs live wirken. Erfreulicherweise ist zu sagen, dass diese ohnehin fantastischen Songs live noch mal ein ganzes Stück dazugewonnen haben. Anschließend begrüßte uns alle Steve in seiner gewohnt freundlichen und offenen Art. Mit EVERY DAY folgte dann ein weiterer Kracher. Da ich diesen Song liebe und schon unendliche Male gehört habe, war dies natürlich ein ganz besondere Moment für mich und sicher ein erstes Highlight. Auf hohem Niveau ging es dann weiter mit LOVESONG TO A VAMPIRE, welches mit seinen ausufernden Chören im Refrain einem „Court of the Crimson King“ nicht unähnlich ist. Es folgte dann The Wheel's Turning mit seinem ulkigen Anfang („There is no Schadenfreude here“). Auch dieser Song war live unglaublich gut. THE STEPPES von seinem 1980er Album Defektor folgte danach. Da dieses Stück durch seine tiefen Bässe der Basspedale lebt, vibrierte der Boden regelrecht – das war schon eine beeindruckende Präsentation. Bei LOVING SEA wurde es akustisch. Steve wechselte zur 12-saitigen Gitarre, Gary O’Toole kam von seinem Schlagzeug hervor und gesellte sich neben Steve auf die Bühne, wo er zusammen mit Rob Townsend für Percussions zuständig war – mal etwas anderes, aber sehr gut. Durch das geschickte Einstreuen solch ruhiger Song in mitten eines recht intensiven Programms, konnte sich das Publikum erholen und entspannen. Jedenfalls sorgte der Song für einen guten Kontrast. Nach diesem leichten Stück kam erstmals Nad Sylvan auf die Bühne und sang STAR OF SIRIUS, und hier konnte er sofort überzeugen. Er machte seine Sache gesanglich sehr gut und stand einem Phil Collins in nichts nach.

Zum Ende des ersten Blocks gab es noch einmal drei essentielle Stücke aus seinem Solowerk. Den Anfang machte hier ACE OF WANDS, welches ohne Vorankündigung direkt von STAR OF SIRIUS aus über ging. Dieses farbenfrohe Instrumental darf natürlich bei keinem Hackett-Konzert fehlen, und auch diese Mal war es ein echtes Highlight. Die Band uns Steve selbst zelebrierten diesen Song mit einer unglaublichen Lebensfreude, das es einfach Spaß macht, dem zuzuhören. Das anschließende Ticken der Uhren kündigte das dunkle, wuchtige CLOCKS an. Durch das Verwenden von reichlichen Mellotron-Streichern und Basspedalen, wird hier eine bedrohliche Stimmung erzeugt, welche sich dann schlagartig entlädt. Hervorzuheben ist hier wieder einmal Gary O’Toole, denn sein Drumsolo am Ende von CLOCKS ist grandios. Zum Schluss folgte dann noch der Instrumentalteil von SHADOW OF THE HIEROPHANT, und hier gab die Band noch mal alles. Großartig präsentierten uns die fünf Musiker dieses Stück und am man wollte man eigentlich, das es damit nicht aufhört. Nach diesen großartigen Stücken war man regelrecht außer Atem, aber auch sehr zufrieden, denn der erste Teil des Konzertes bot uns ein abwechslungsreiches Programm. Neben den fünf Stücken seines aktuellen Soloalbums Wolflight wurden die wichtigsten Stücke seines recht umfangreichen Oeuvres gespielt, sodass so gut wie jeder daran Gefallen gefunden heben darf.

Nach einer 20 minütigen Pause (die nach so einem umfassenden ersten Teil echt nötig war), fand sich die Band wieder auf der Bühne ein und präsentierte uns acht Stücke aus dem Genesis-Kosmos. Den Anfang machte hier Get 'Em Out By Friday. Das recht sperrige Stück überzeugte durch die vielen aufgeteilten Gesangparts, denn nicht nur Nad Sylvan, sondern auch Gary O’Toole und Steve Hackett selbst teilten sich hier den Gesang.
Erstes Highlight des zweiten Blocks war dann aber Can-Utility and the Coastliners – ein Song, welcher vielleicht wie kein anderer die Essenz von Genesis beinhaltet. Sofort war dieser Gänsehautmoment während des Instrumentalteils da, auch wenn das Mellotron vielleicht etwas zu leise war (später dazu mehr…). Das Stück konnte live überzeugen und wurde auch vom Publikum verdienterweise gebührend gewürdigt. Anschließend wurde es interessant….
Richtig gespannt war ich nämlich auf den Dreiteiler, bestehend aus AFTER THE ORDEAL, THE CINEMA SHOW und AISLE OF PLENTY. Ersteres wurde in einer erweiterten Version gespielt, als es auf Selling England by the Pound zu finden ist. Hier konnte Neuling Roine Stolt an der E-Gitarre mit einem schönen Solo brillieren und zeigen, dass auch er ein guter Gitarrist ist. Es folgte THE CINEMA SHOW, welches sich weitestgehend an das Original hielt. Tonys Synthie-Solo wurde von Roger King gespielt, mit Unterstützung von Rob Townsend an den Blasinstrumenten. Steve spielte Mike Rutherfords Rhythmusgitarren-Part, während Roine Stolt an der Doubleneck-Gitarre den Bass bediente. Auch hier war es schön Gary beim Schlagzeug-Spiel zuzusehen. Es ging nahtlos in AISLE OF PLENTY über, in welchem Nad Sylvan allerdings nicht wie im Original die skurrilen Supermarkt-Angebote sang. Man war dennoch gut unterhalten. Vielleicht hatte man THE CINEMA SHOW anders arrangieren können, sodass Tonys Soloteil am Synthesizer von Steve mit der Gitarre gespielt worden wäre, allerdings jammere ich jetzt auch auf extrem hohem Niveau. Für die nötige Verschnaufpause sorgt dann im zweiten Block dieses Mal HAIRLESS HEART von der „The Lamb…“ – ein wundervolles Kleinod, und es war mal spannend dieses Instrumental live zu erleben. Wir bleiben beim selben Genesis-Album denn nun folgt dessen Opener…
Über die Wahl von THE LAMB LIES DOWN ON BROADWAY lässt sich sicher streiten. Ich hatte den Eindruck, dass es nicht wirklich ins Set passte. Man hätte vielleicht dann doch einen Song nehmen sollen, wo es einen direkten Bezug zu Steve gibt, wie beispielsweise CARPET CRAWLERS oder FLY ON A WINDSHIELD. Dennoch wurde das Stück solide dargeboten. Anschließend folgte mit THE MUSICAL BOX dann ein Klassiker, ein richtiges Highlight. Auch hier wird wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Rolle von Rob Townsend doch ist. Durch das Einstreuen der Blasinstrumente wird dem Song das nötige I-Tüpfelchen verpasst. Spätestens zum Ende des Songs hat die Stimmung im Saal ihren Maximalstand erreicht. Ich bin einfach nur begeistert von dieser Performance - THE MUSICAL BOX war wahrscheinlich DER Höhepunkt an diesem Abend. Die anschließenden Standing Ovations waren absolut berechtigt! Danach war der reguläre Teil des Konzertes vorbei. Die Band verlies die Bühne, aber nur vorzeitig….
Als Zugabe des Konzertes wurden noch ICARUS ASCENDING und FIRTH OF FIFTH gespielt. Über ersteres war man ja im Vorfeld schon informiert, dass es gespielt werden sollte. Alle Welt hat sich gefragt, wie dieses Juwel mit Nad Sylvans Stimme wohl klingen mag. Es ist natürlich schwer, jemanden wie Richie Havens zu ersetzten, aber ich bin der Meinung, dass sich diese Liveversion vom Original nicht verstecken muss. Bevor die Band dann wirklich die Bühne verließ, gab es mit FIRTH OF FIFTH noch ein letztes Highlight und auch bei diesem Song war die Stimmung einfach grandios. Sowohl Band, als auch Publikum waren zum Schluss sehr gut drauf. Das überragende Gitarrensolo war wie immer zum Niederknien und dürfte auch den letzten Nörgler zufriedengestellt haben. Anschließend war das Konzert dann wirklich zu Ende. Wie schnell doch so ein Abend voller Musik vorbei sein kann…

DIE BAND

Steve Hackett – electric and acoustic guitars, lead vocals and backing vocals
Roger King – keyboards,
programming
Rob Townsend – sax, flute,
tin whistle, clarinet, additional keyboards, percussions, backing vocals
Gary O'Toole – drums, percussions, vocals and backing vocals
Roine Stolt – bass guitar, double-neck guitar (12 string guitar and bass), electric guitar, backing vocals
Nad Sylvan – lead vocals, percussions

Die Band spielte an diesem Abend auf gewohnt hohem Niveau und war stets gut gelaunt. Steve Hackett wirkte wie immer stets freundlich, offen und dem Publikum zugewandt. Man merkt dem Altmeister einfach an, dass er Spaß an seiner Sache hat. Ab und zu sprach er zum Publikum, ließ aber ansonsten seine Gitarre sprechen. Seine Gitarrenkünste sind ohne Zweifel erhaben und er spielte an diesem Abend alle Songs mit einer Leidenschaft, die seinesgleichen sucht. Hervorzuheben seien da EVERY DAY, Love Song to a Vampire und SPECTRAL MORNINGS. Ein weiterer Musiker, der an diese Abend wahnsinnig viel Spaß gehabt haben dürfte, ist Gary O'Toole. Er machte seine Sache sehr gut, wirkte locker und lässig. Es hat einfach Spaß gemacht ihm zuzuschauen. Besonders SHADOW OF THE HIEROPHANT und das Drumsolo am Ende von CLOCKS machten deutlich, dass Gary ein Vollblutmusiker ist. Zu erwähnen sei auch die Rolle von Rob Townsend, der schon seit vielen Jahren dabei ist und zu einem essentiellen Bestandteil der Band wurde. Die Einbindung der verschiedenen Blasinstrumente gab den Songs das gewisse etwas. Aber auch Roger King an den Keyboards machte seine Arbeit wie gewohnt (wenn man von einem kurzen Verspieler bei FIRTH OF FIFTH absieht) sehr gut. Der Neuling in der Runde – Roine Stolt – wirkte manchmal etwas schüchtern und unsicher. Ich bin mir nicht sicher, ob er sich in der Rolle des Bassisten so richtig wohlfühlte. Man muss dazu aber auch sagen, dass es schwer ist, jemanden wie Nick Beggs zu ersetzten. Im zweiten Teil der Show kam Roine weit besser zur Geltung und wirkte in der Rolle des Mike Rutherford sicherer. Dennoch macht er insgesamt seine Sache gut. Mit dabei ist auch weiterhin Nad Sylvan. Er ist – man mag von ihm halten was man will – inzwischen schon ein integraler Bestandteil der Steve Hackett – Mannschaft geworden. Seine Interaktionen mit dem Publikum sowie kleine Details, wie z.B. die Percussions bei Can-Utility and the Coastliners machten ihn mir sehr sympathisch. Auch gesanglich konnte er überzeugen, auch wenn er an manchen Stellen etwas textunsicher war. Selbst das im Vorfeld angezweifelte ICARUS ASCENDING brachte Sylvan mit Bravour rüber.

DER SOUND

Der Sound war stets „fett“, besonders die Bässe kamen sehr gut rüber. Auch war das Konzert nicht zu laut, sodass man anschließen keine betäubten Ohren zu fürchten hatte. Allerdings war der Sound manchmal etwas zu breiig. Besonders die Keyboards kamen manchmal etwas wenig zur Geltung. Besonders auffällig war dies bei Can-Utility and the Coastliners, da gerade hier das Mellotron eine wichtige Rolle einnimmt. Auch hätte der Gesang etwas differenzierter sein können, er ging manchmal im Soundbrei etwas unter. Aber das ist sicher Lamentieren auf hohem Niveau, denn ansonsten gab es wenig zu bemängeln. Das Konzert soll ja selbst im Surround-Klang gespielt worden sein, wovon ich in der zweiten Reihe allerdings nicht allzu viel mitbekam, was aber auch nicht sonderlich schlimm war.

ZUSAMMENFASSUNG

Alles in Allem war es ein toller, abwechslungsreicher Abend. Meine doch recht hohen Erwartungen wurden zu keinem Zeitpunkt enttäuscht. Erstaunlicherweise verging die Zeit doch recht schnell und man mochte sich nach der Zugabe von der Band und Steve ungern trennen. Die symphytische Band verabschiedete sich dann unter großem Applaus und dann war das Konzert leider schon vorbei. Es war ein grandioses Ereignis, ein toller Abend! Welcher von den beiden Teilen jetzt besser war, lässt sich schwer einschätzen. Ich tendiere zum Hackett-Soloteil, da dort viele schöne Songs gespielt wurden, die ich einfach mag. Was soll ich noch groß sagen? Ich werde dieses Konzert jedenfalls noch lange in sehr guter Erinnerung behalten schwelgen… Danke Steve (und Band)!









Sonntag, 16. August 2015

Tony Banks - A Chord Too Far (4CD-Box, VÖ: Juli 2015)

Und da ist es endlich: „A Chord Too Far“ – die neue umfassende Werkschau des Genesis-Keyboarders Tony Banks. Der Titel des Albums ist ein Seitenhieb auf sich selbst, seine Pop-Songs waren immer ein Stück weit zu kompliziert um als Hit erfolgreich zu sein. Tony hat es immer geliebt seine vielen Akkordwechsel unterzubringen und mit Harmonien zu spielen, leider war dies auch der Hauptgrund, warum seine Solokarriere nicht dem Erfolg seiner Bandkollegen entsprach. 

Die ganze „Anthologie“ ist wunderbar gestaltet und enthält ein sehr schönes Booklet. Erwähnen sollte man auch das köstliche und zum Titel passende Albumcover von Fred Othon Aristidès, einem französischen Comiczeichner. Das Booklet ist schön gestaltet. Darin beschreibt Tony Banks jedes einzelne seiner Soloalben, chronologisch angeordnet, sodass man quasi die Informationen „aus erster Hand“ erhält. Großartig neue Informationen findet der eingefleischte Fan dort vielleicht nicht, dafür gibt es aber sehr viele Fotos, von denen zumindest ich noch nicht alle kannte. Das Set bietet fast vier Stunden Musik auf vier CDs – ich selbst hab schon tagelang nur noch seine Musik gehört und entdecke dadurch auch viele schon vergessene Songs wieder. Die Verarbeitung der Box selbst ist ganz ordentlich, nur bei den CDs hab ich manchmal Sorgen und Probleme diese ordentlich aus der Halterung herauszulösen oder wieder hineinzulegen. Wenn ich da an Pink Floyd’s P.U.L.S.E-DVD denke, wo ich jedes Mal Angst hatte, dass mir die Scheiben zerbrechen, wird mir ganz schwarz. Gottseidank geht es bei diesem Set aber leichter.

Über die Songauswahl lässt sich sicher streiten, so hätte ich zum Beispiel noch „Somebody Else's Dream“, „Charm“ und „Don't Turn Your Back on Me“ mit reingenommen und vielleicht den einen oder anderen Song weggelassen, ist aber eigentlich doch ganz gut gelungen. Letztendlich ist es ja Geschmackssache und Tony Banks höchstpersönlich hat ja die Songs ausgewählt. An die eigentümliche Reihenfolge musste ich mich auch erst einmal gewöhnen. Ich hatte mir seinerzeit selbst ein „Tony Banks - Best of“ gebastelt (nur 2 CDs) und dort die Songs nach den jeweiligen Alben genordet. Die neue Aufteilung führt aber unweigerlich, dass man die einzelnen Songs genauer betrachtet. Selbst der eingefleischte Fan kann somit wohlmöglich das eine oder andere neue Detail erkennen. Die vier CDs repräsentieren ja auch die doch recht große Bandbreite seines Soloschaffens.

Schon der Anfang der ersten CD klingt fantastisch: „Rebirth“ wirkt endlich druckvoller, sauberer und strahlender als jemals zuvor. Völlig unerwartet folgt darauf sofort „At the Edge of Night“ – einer meiner Lieblingsongs von „The Fugitive“. Auch dieser Song klingt deutlich besser als das Original. Allgemein lässt sich sagen, dass die Stücke von „The Fugitive“, „Bankstatement“ und „Soundtracks“ alle n weitaus besserklinge, einfach knackiger und frischer. Besonders bei den „Fugitive-Songs“ hat sich die Auffrisch-Kur doch sehr gelohnt. Da ich für den Fanclub seinerzeit eine Rezension über dieses Album verfasst habe, kannte ich diese Songs natürlich in und auswendig und hab sofort lauthals mitgesungen (die armen Nachbarn). Ich hab mich dann sehr gefreut, als ich „At the Edge of Night“; „Thirty Three's“ oder „This Love“ in dieser neuen Version gehört habe. Alles klingt viel kraftvoller. Aber auch eines meiner absoluten TB-Lieblingslieder schlechthin – „Lion of Symmetry“ – hat von dem Remixen sehr profitiert. Angehört und sofort war dieser Gänsehautmoment im Mittelteil wieder da. Für alle die diesen tollen Song mit Toyah (der Frau von Robert Fripp) noch nicht kennen sollten – sofort anhören! Jetzt jedes einzelne Lied hier durchzusprechen würde sicher den Rahmen sprengen, aber besonders erwähnenswert sind auch „The Border“, „Redwing“ (beide CD 2), sowie „Queen of Darkness“ von der dritten CD. Diese klingen endlich so wie ich haben möchte: kristallklar und druckvoll. Es ist fast so, als ob man eine Decke vor den Lautsprechern weggenommen hätte.
Ansonsten beinhaltet das Set alle „wichtigen“ Songs, die Tonys Soloschaffen so bietet: „An Island in the Darkness“, „Another Murder of a Day“, „After the Lie“, „You“, „Red Day on Blue Street“, „The Final Curtain“, „Lion of Symmetry“ sowie „The Border“. Die ersten zwei CDs repräsentieren den etwas komplexeren Anteil seines Soloschaffens, während die dritte CD mit Ausnahme von „You“ (eines seiner besten Songs, wohl auch der Beste seines ersten Soloalbums „A Curious Feeling“) seine Popsongs beinhaltet. Da Tony Banks im Laufe seiner Solokarriere mit einer beachtlichen Menge an Musikern zusammengearbeitet hat, finden sich im Rahmen dieser Werkschau die verschiedensten Sänger und Musiker. Bekannte Größen wie z.B. Nik Kershaw, Pino Palladino, Fish oder Toyah Willcox finden sich auf den Songs wieder. Dabei sind aber auch bekannte Gesichter wie Daryl Stuermer und Chester Thompson. Auf seinem Debüt sang der schottische Sänger Kim Beacon, beim darauffolgenden Album „The Fugitive“ entschied sich Banks dafür, seine Songs selbst einzusingen. Danach folgten Projekte mit verschiedenen Gastsängern („Bankstatement“ und „Still“), währen er bei seinem letzten Rockalbum, „Strictly Inc.“ von 1995 wieder wie bei seinem ersten Album auf einen Sänger setzte. Großartig sind die von Fish und Nik Kershaw gesungen Songs, aber auch seine eigene Stimme ist durchaus akzeptabel.

Die letzte CD beherbergt ausschließlich instrumentale Musik, unter anderem auch Stücke von seinem ersten eigen Filmmusikprojekt „The Wicket Lady“. Besonders interessant sind für mich die Demos sowie das unveröffentlichte „Poppet“ aus den „Still-Sessions“. Man kann auch gut nachvollziehen, wie „Spring Tide“ – eines meiner Lieblingskompostionen seiner klassischen Werke – entstand.

„A Chord Too Far“ ist der Startschuss zu einer großangelegten Wiederveröffentlichungs-Kampange von Esoteric Records. Das zu Cherry Red Records dazugehörige Label veröffentlicht viele Alben der Progressive Rock-Szene (unter anderem auch „Squackett mit Steve Hackett und dem inzwischen verstorbenen Chris Squire). Alle seine Studioalben sollen neu aufgelegt werden, remixt und zudem auch in einer 5.1-Version erscheinen. Die ersten Alben die erscheinen werden, sind „A Curious Feeling“, welches bereits 2009 in einer remixten Fassung erschien, und „The Fugitve“. Durch die im Rahmen dieser Anthologie beinhalteten Songs seines zweiten Albums wird man quasi schon „heiß“ auf das Erscheinen der neuen Fassung gemacht. Ich kann es selbst kaum erwarten.

A Chord Too Far“ ist eine wunderbare Gelegenheit das Soloschaffen von Tony Banks, für alle es noch nicht kannten, zu entdecken. Vielleicht findet der eine oder andere ja durchaus Gefallen an seine Kompositionen und wird neugierig auf seine anderen Alben. Und für die Fans, welche Tonys Solowerke kennen und auch lieben, macht man mit dieser Werkschau eine wahre Freude. Die remixten Songs, Demos und unveröffentlichten Songs sind schon alleine Grund genug für den Erwerb dieses Sets. Ich bin mit dieser Werkschau sehr zufrieden und verbrachte schon einige wunderschöne Stunden mit seiner Musik.

13 von 15 Punkten für diese Anthologie.