Dienstag, 28. März 2017

Mike Oldfield: Return to Ommadawn (Januar 2017)

Eine Rückbesinnung zu seinem ursprünglichen Stil



Da ist es endlich: „Return to Ommadawn“. Wir haben das Jahr 2017 und kein geringerer als Mike Oldfield, jenem dem schon in seinen Frühzeiten als Musiker das Markenzeichen als Wunderkind haftete, veröffentlicht ein Sequel des 1975 erschienenen Albums „Ommadawn“. Dieses Album gehört mit Abstand zu seinen wahrhaften Großtaten als Musiker, wenn es nicht sogar das beste Oldfield-Album schlechthin ist. 42 Jahre später folgt die Fortsetzung mit dem passenden Titel „Return to Ommadawn“.
Es soll eine Art Rückbesinnung zu Oldfields ursprünglichem Stil sein: Die Mischung aus keltisch-irischem Folk, Rock, Klassik und Weltmusik. Größtenteils akustische und pastorale Musik wie er es einst früher machte. Wenn man beachtet, dass Oldfield musikalische Ergüsse der letzten Jahre nicht immer 100%ig zufriedenstellend waren, klingen jene Neuigkeiten sehr vielversprechend. Ich hatte selbst hohe Erwartungen, gehört doch gerade das originale „Ommadawn“ zusammen mit „Incantartions“ zu meinen Lieblingen des Oldfiled‘schem Oeuvre. Zur Vorbereitung auf das neue Album hörte ich mir neben dem Original noch „Hergest Ridge“ und „The Song of the Sun“ (Voyager) an.
Letztes Jahr gab es auf BBC 2 einen kurzen Ausschnitt von „Return to Ommadawn“ zu hören. Dummerweise (oder sollte ich lieber sagen – cleverer Weise) hörte dieses Schnipsel auf, als es spannend wurde. Demzufolge war mein Interesse auf das neue Album groß.

Als das Album dann erschien, wurde erst einmal alles genau inspiziert. Das Album beinhaltet zwei jeweils 21-minütige Instrumentals, welche ausschließlich von Mike Oldfield selbst geschrieben und produziert wurden. Ich finde so etwas in unserer heutigen Zeit immer wieder mutig (auch wenn es wohlmöglich keine Besonderheit mehr ist). Vor allem, weil er seinerzeit Tubular Bells 2003 in viele Einzelteile stückelte. Auch schön zu wissen, dass er alle Instrumente selbst einspielte. So besorgte er sich eine Gibson SG E-Gitarre, die er auch schon 1975 einsetzte. Spieltechnisch ist der Altmeister keineswegs eingerostet – man auchte nur mal auf das Bassspiel! Neben vielen weiteren Gitarren wie Mandoline, Flamenco-Gitarre oder der Ukulele gibt es unter anderem auch Tin Whistles, keltische Harfen und die Bodhrán zu hören. Einzig die Tasteninstrumente sind Plug-Ins, virtuelle Instrumente also. Darunter befinden sich neben Mellotron auch Solina Strings und diverse Orgeln. Dass man hier auf Software-Lösungen zurückgriff, stört mich nicht. Wichtig ist, was hinten herauskommt.

Die eigentliche Musik ist größtenteils ruhig gehalten, fast schon pastoral. Die teils wäldlich-ländliche Atmosphäre erinnert einem an „Hergest Ridge“. Das eigentliche Grundthema, welches immer wieder im Album auftaucht, ist sehr schön. Übrigens tauchen hier und dort ein paar kleine Details vom Originalalbum auf. Nett! Natürlich bleibt das Album nicht gänzlich in seiner pastoral anmutenden Atmosphäre. Nein, hin und wieder nimmt das Album Fahrt auf. Mir haben in diesem Zusammenhang vor allem die zweite Hälfte von Part I sowie das Ende von Part II sehr gefallen. Das Ende ist witzig gemacht, da Oldfield auch hier Anleihen des Kinderlieds „On Horseback“ eingebaut hat. Das hat mir sehr gefallen!

Kommen wir jetzt zu meinen Kritikpunkten. Was ich persönlich vermisse, ist etwas mehr Abwechslung wie auf dem Originalalbum. Ich hätte zum Beispiel sehr gerne die Uilleann Pipes noch gehört. Als großer Freund von der Band Iona hab ich eine Schwäche für dieses Instrument. Jene Uilleann Pipes waren auf Ommadawn Part II gemeinsam mit dem Akustikgitarrenspiel so schön betörend. Auch hätte Oldfield ruhig ein paar mehr Percussions einbauen können – es ist manchmal etwas zu sehr gitarrenlastig. Allerdings ist dies natürlich Jammern auf hohem Niveau, bitte sieht es mir nach.

Im Endeffekt bleibt ein schönes Album mit wenigen Kritikpunkten. Vor allem ist es schön zu wissen, dass Oldfield es offensichtlich noch drauf hat, solche Alben zu produzieren (63 Jahre ist aber auch noch kein Alter…). An das Original kommt „Return to Ommadawn“ natürlich nicht heran, alles andere wäre natürlich auch eine große Überraschung gewesen. Aber wem interessier das schon? „Return to Ommadawn“ ist einfach schöne Musik, die zu entspannen weiß. Im Kontext einer 15 Punkte Skale wären es 13 von 15 Punkte, macht hier aber trotzdem verdiente 5 von 5 Punkte.

(Wenn ihr Fragen, Anmerkungen oder Kritik bezüglich meiner Rezension habt, dürft ihr dies gerne in den Kommentaren kundtun.)


Montag, 27. Februar 2017

IONA: Progressive Celtic Rock


Hinweis: Dieser Beitrag basiert zu großen Teilen auf den von mir erstellten Thread zu Iona im Genesis-it-Forum (zu finden hier: http://www.genesis-fanclub.de/it-forum/andere-bands-andere-fanclubs-andere-websites/19688-iona-progressive-celtic-rock.html#post430416)

Einleitung


In diesem Beitrag geht es um die Band „Iona“ aus Großbritannien. Sie wurde im Jahr 1988 von den beiden Multi-Instrumentalisten David Fitzgerald (v.a. Saxophon sowie diverse Blasinstrumente) und Dave Bainbridge (Gitarre, Keyboards) gegründet. Für den Gesang fand man die nordirische Sängerin Joanne Hogg. Während Dave Fitzgerald bereits auf dem dritten Album „Beyond Theses Shores“ nicht mehr mit dabei war, blieben die zwei anderen Gründungsmitglieder bis zum Schluss bei Iona. Weitere wichtige bzw. bekannte Musiker, die bei Iona mitgewirkt haben, sind Nick Beggs. (Chapman Stick, E-Bass) und Troy Donockley (v.a. Uilleann Pipes, Tin Whistles etc.).

Die Musik lässt sich als „Progressive Celtic Rock“ bezeichnen. Die Band verbindet irisch-keltische Folk-Musik mit atmosphärischer, symphonischer Rockmusik. Die Uilleann Pipes wurden später zu einem ihrer Erkennungsmerkmale. Ihre Songtexte sind oft christlich inspiriert, allerdings möchte die Band nicht per se als christliche Rockband verstanden und bezeichnet werden. Im Dezember 2016 gab die Band leider bekannt, für unbestimmte Zeit zu pausieren. Wie es mit der Zukunft aussieht und ob Iona noch einmal zusammen finden werden, bleibt abzuwarten. Glücklicherweise gibt es zudem noch viele Soloalben im Umfeld von Iona. Unter anderem haben sowohl Joanne Hogg als auch Dave Bainbridge viele Soloaben veröffentlicht. Letzterer veröffentlichte auch mit Troy Donockley einige Alben. Generell scheint es in dem Umfeld viele interessante Musik zu geben.

Die Entdeckung der Band

Eine Band, welche ich noch gar nicht solange kenne, und gerne einen eigenen Thread spendieren möchte, ist Iona. Die nach der schottischen Insel Iona benannten Rock-Band, verbindet symphonischen Prog-Rock mit keltisch-folkigen und atmosphärischen Elementen. Aufgrund der meist christlich inspirierten Songtexte, werden Iona auch gerne als christliche Rockband eingeordnet (siehe oben).

Aufmerksam wurde ich auf die Band durch den Thread über Nick Beggs (Nick Beggs.), welcher von 1990 bis 1993 Mitglied bei IONA war. Kollege Chandelier ist an dieser Stelle schon mal herzlich eingeladen, uns mehr über diese Band zu berichten. Nick Becks hat zwei Studio- Alben mit Iona eingespielt: „The Book of Kells“ (1992) und „Beyond These Shores“ (1993). Er ist auch durchaus präsent und versteckt sich nicht hinter den vielen atmosphärischen Passagen der Musik.

Ich bin selbst immer noch am Entdecken und Kennenlernen ihrer Musik. Dank eines sehr freundlichen Forum-Freunds, welchen ich an dieser Stelle herzlich grüße, bin ich mit den ersten drei IONA-Alben versorgt worden. Mittlerweile besitze ich inzwischen noch das Album „Open Sky“ (2000).

Neben dem besagten Album „Open Sky“ (2000) hat mir von den mir vorliegenden Werken noch das Album „The Book of Kells“ (1992), welches ein Konzeptalbum ist, sehr gefallen.



Ich hab das Album nun seit Ostern 2016 immer wieder intensiv gehört und mich ein Stück weit in diese herrlichen Klangwelten verliebt. Dazu hier ein paar Songbeispiele:

Mein persönliches Highlight ist der Longtrack „Matthew - The Man“

Iona – Matthew - The Man: https://www.youtube.com/watch?v=vF3tWS1-K30

(Alleine schon der Text: „That tears that salt the earth…“), allerdings sind viele andere Songs des Albums auch sehr hörenswert. Weitere Favoriten wären so z.B. „Revelation“, „Kells Opening Theme“, „Kells“ oder „The River Flows.

Iona – Revelation: https://www.youtube.com/watch?v=SkVW...&nohtml5=False
Iona Kells Opening Theme: https://www.youtube.com/watch?v=OtyKWB_ZoR8
Iona – Kells: https://www.youtube.com/watch?v=MINk...&nohtml5=False
Iona – The River Flows: https://www.youtube.com/watch?v=Rg2S-Cn0v8w

Hört Euch die Stücke ruhig mal an, diese sind wirklich sehr hörenswert! Das Album beinhaltet zudem noch viele instrumentelle und atmosphärische Stücke, welche einem vielleicht beim ersten Hören nicht sofort erschließen.

Iona Luke - the Calf: https://www.youtube.com/watch?v=lWYeqQxfmE0
Iona – Virgin and Child: https://www.youtube.com/watch?v=crJz...&nohtml5=False

Man muss es einfach mal selbst gehört haben. Das Album „The Book of Kells“ wird von mir auch noch (igendwann) rezensiert werden.

Da ich selbst gottseidank schon in Schottland war (aber leider nur in der Region von Edinburgh und Glasgow), verbinde ich mit dieser herrlichen Musik die vielen Bilder in meinem Kopf (alte Kirchen, Keltenkreuze, grüne Wiesen, Schafe etc.). Ihre Musik ist sicher noch ein weiterer Grund, um mal wieder nach Schottland (oder vielleicht ieber Irland?) zu reisen. Bei dieser Gelegenheit würde ich sicher auch die Insel Iona sowie das dort gelegene geschichtsträchtige Kloster besuchen wollen – mal sehen, wann es mit diesem Vorhaben klappt. Wie dem auch sei: Ich kann jedem, der ruhigen, atmosphärischen Folk-Prog mit stark keltsichen Einflüssen liebt, diese Band nur wärmstens empfehlen!

Samstag, 21. Januar 2017

Mike Oldfield: Hergest Ridge



Erster Eindruck zu Hergest Ridge

Ich hab mir letztens die „Hergest Ridge“ von Mike Oldfield gekauft, einfach weil mich verschiedene Kundenrezensionen neugierig gemacht haben und ich von der „Ommadawn“ sehr begeistert war bzw. bin. Ich möchte nachfolgend kurz meine ersten Eindrücke schildern und das Album bewerten. 


Hergest Ridge - Originalcover (Quelle: Amazon.com)


Der große Unterschied zum Vorgänger „Tubular Bells“ (welches nicht minder genial ist) besteht darin, dass bei diesem Album nicht viele verschiedene Themen aneinander gereiht werden. Stattdessen ist das quasi ein stetiger und langsamer Fluss aus schöner Musik, der hier durchströmt. Teil 1 ist zum Großteil eher ruhig, es gibt kaum Momente wo die Musik mal laut wird. Die Atmosphäre ist eher pastoral, fast mittelalterlich, was wohl auch an der Instrumentierung liegt. Trompete, Orgel, E-Gitarre und Akustikgitarre sowie ein arg feierlicher Weihnachtschor bestimmen hier das Klangbild. Stellenweise erinnert mich dieser Teil von „Hergest Ridge“ an „The Geese an the Ghost“ oder „Slow Dance“ von Anthony Phillips. Wohlmöglich hat sich Phillips von Oldfield seinerzeit inspirieren lassen (oder hat, ich weiß es nicht). Verschiedene Rezensionen die ich gelesen habe, sprachen von einer wäldlich-idyllischen Atmosphäre. Ich hatte lustigerweise bei Hören des Albums das Cover zu „The Geese an the Ghost“ vor meinen Augen. Passt denke ich auch ganz gut zur Musik. Jedenfalls war die erste Hälfte des Albums keinesfalls ermüdend oder gar langweilig – nur fehlte ehrlich gesagt sowas wie ein Höhepunkt. Ich würde es daher einfach als schöne Musik zum Entspannen beschreiben wollen. Richtig interessant wurde es dafür ab der zweiten Hälfte des zweiten Teils wo anscheinend ganz viele E-Gitarren eine Art Wettlauf veranstalten. Das hört sich an, als ob sich ein Gewitter aufziehen würde. Dieser Teil hebt sich deutlich vom Rest des Albums ab, machte aber Spaß beim zuhören. Danach wurde es aber wieder ruhiger und mit Chören und Akustikgitarren endete dann das Album. 

 Hergest Ridge - Cover der Mercury-Records-Wiederveröffentlichung (Quelle: Amazon.com)


„Hergest Ridge“ würde von mir 12 von 15 Punkten bekommen. Es ist für mich das pastorale, mittelalterlich-verträumte Album, welches auf seiner Art und Weise auch ziemlich Englisch daherkommt. Erst mit dem Nachfolgeralbum „Ommadawn“ kamen dann die Weltmusik-Einflüsse dazu, aber das ist eine andere Geschichte.

Mittwoch, 23. November 2016

AnnenMayKantereit und Freunde: Live in Berlin (2016)



Der aufstrebende Stern am Deutsch-Pop-Rock-Himmel – jetzt Live zu hören

AnnenMayKantereit sind derzeit so etwas wie der aufstrebende Stern am Deutsch-Pop-Rock-Himmel. Drei junge Männer, alle aus Köln, machen seit 2014 Musik und wurden damit immer populärer. Ihr aktuelles Album „Alles nix konkretes“ (18. März 2016) kann sich immer noch in den deutschen Albumcharts behaupten, und auch live ist die Band gefragt wie lange nicht mehr. Das ein Livealbum irgendwann folgen sollte, war abzusehen und ist eine Konsequenz aus dem bahnbrechenden Erfolg. Henning May, der Sänger und Pianist der Band ist mit seiner Reibeisenstimme, die an Rio Reiser erinnert, das Erkennungsmerkmal schlechthin. Im Frühjahr 2016 gingen die Jungs auf Tour. Die Band spielte am 19. August in der Zitadelle in Spandau dann das bisher größte Konzert ihrer Bandgeschichte. Mit dabei natürlich waren viele Freunde, sodass man sich entschlossen hat, das Konzert aufzuzeichnen. Ende Oktober wurde das Berlin Konzert dann in einer Doppel-Vinyl-Edition veröffentlicht. Mit dabei ist natürlich auch eine CD!

Ich habe mir mein Exemplar nicht im Amazon-Shop, sondern im AnnenMayKantereit-Shop/Krasser-Stoff besorgt. Die Erlöse gehen übrigens an die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl! Wie gewöhnt, enthält das Album keine weiteren Gimmicks, sondern besinnt sich auf das Wesentliche – schlichte Eleganz eben. Beide LPs haben ein Gewicht von je 140 g. Optisch machen die Vinyls einen guten Eindruck, die Pressqualität geht ebenso in Ordnung.

Kommen wir jetzt nun zum eigentlichen Anliegen – der Musik. Die Track-Liste sieht folgendermaßen aus (Angaben hier für die Vinylschallplatten, wobei A, B und C, D jeweils eine LP darstellen):

A1       Wohin Du Gehst       
A2       Es Geht Mir Gut       
A3       What He Wanted The Most  
A4       Jeden Morgen            
A5       Mir Wär' Lieber, Du Weinst
B1       Neues Zimmer           
B2       James
B3       3.Stock          
B4       Bitte Bleib     
C1       Du Bist Überall         
C2       Nicht Nichts  
C3       Das Krokodil
C4       Come Together          
C5       Oft Gefragt   
D1       Barfuß Am Klavier   
D2       Länger Bleiben          
D3       Pocahontas    
D4       Hurra Die Welt Geht Unter (Featuring – K.I.Z.)     
D4       21,22,23

Die Setlist des Konzertes ist sehr ausgewogen, man bekommt mit dem Album viele bekannte Songs, darunter auch „Hurra die Welt geht Unter“ vom gleichnamigen K.I.Z.-Album oder „Come Together“ von den Beatles.
Die Band beginnt das Konzert mit dem Song „Wohin Du Gehst“ – eine gute Wahl, denn es wirkt als perfekter Einstieg. Mir gefällt ja der Text sehr, der voll von Schmerz und bittersüßer Ironie strotzt. Selbiges könnte man sicher auch über den nachfolgenden Song „Es Geht Mir Gut“ schreiben. Dieses Lied ist angenehm rockig und war sehr lange mein favorisierter AMK-Song. Man achte nur mal auf die tolle Bass-Spur, die lockeren Gitarrenriffs und das kurze Gitarrensolo, welches dann quasi noch das „i-Tüpfelchen“ des ganzen ist. Yeah Baby! Diese zwei Lieder sind ein toller Einstieg, und zeigen eindrucksvoll, dass AMK live viel besser wirken im Studio.
Als nächstes wird der erste „Freund“ begrüßt – es ist Ferdinand Schwarz an der Trompete, mit welchem der erste englische Song „What He Wanted the Most“ gespielt wird. Die Band spielt einen Song auf Englisch, der dazu noch einer ihrer besten ist! Hennings Stimme kommt hier richtig gut zur Geltung. Mit „Jeden Morgen“ folgt die erste Ballade.  Auch wenn manche den Text als vielleicht zu platt („…Ich würd‘ viel lieber von Dir träumen…“) empfinden, lädt das Lied doch zum Träumen und Verweilen ein. „Mir wär' lieber, du Weinst“ geht in die gleiche Richtung wie auch „Wohin Du Gehst“, ist bloß nicht so rockig. Das nachfolgende „Neues Zimmer“ lebt stark von der Atmosphäre, vom Songtext. Anfangs mochte ich den Song nicht so sehr, inzwischen ist er aber ganz angenehm und klingt auch live gut. Weiter geht’s mit einem weiteren Lied auf Englisch. „James“ ist ein traditioneller, von AnnenMayKantereit interpretierter Song. Auch hier zeigt sich, dass Hennings markante Stimme auch sehr gut bei englischsprachigen Songs überzeugen kann. Überhaupt hat der Typ eine richtig tolle Stimme!

Der nächste Song „3. Stock“ geht dann wieder in eine ganz andere Richtung. Auf einmal wird es romantisch-melancholisch, gar schwermütig bis depressiv. Auf dem Album „Alles nix konkretes“ war dieses Liedchen immer mein heimlicher Favorit. Es ist irgendwie so etwas wie eine Herzschmerz-Ballade – aber keineswegs eine flache, sondern zutiefst aufrichtige! Als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, bekam ich sofort eine Gänsehaut und feuchte Augen. Dieser Song geht dermaßen unter die Haut – er strotzt nur voller Sehnsucht und Melancholie. Solche Musik ist einfach Balsam für die Seele. Meine Befürchtung war aber, wie er wohl live klingen mag und ob der Song live auch wirkt. „3. Stock“ war für mich eher immer ein Song für die Kammer, wo er mit einem guten Rotwein gehört wird. Das Publikum hält sich gottseidank dezent zurück, aber trotzdem ich bin der Meinung, dass man dieses zerbrechliche Lied lieber nicht live spielen sollte. Die Band bringt diese wunderbare Ballade nichtsdestotrotz hervorragend rüber.
Das nachfolgende „Bitte bleib“ ist dann wieder was ganz anderes. Es ist sowas wie ein Anti-Liebeslied, das von dieser herrlichen bittersüßen Ironie und von Schmerz geprägt ist. Sänger Henning hat in seinen Texten garantiert vieles autobiographisch behandelt. Auch hier wird die Band von Ferdinand Schwarz an der Trompete begleitet.
Das Smartphone auf dem Konzert – wir kennen das Problem, wen die Mehrheit nur noch mit ihren Handys beschäftigt ist, um Fotos oder Aufnahmen zu machen. Mit dem Song „Du bist überall“ kritisieren AnnenMayKantereit eben jenes Problem auf ihrer eigenen Art und Weise. Mit „Nicht nichts“ präsentiert die Band wider ihrer typische „tanzbare Melancholie“, bevor der Tour-Song „Das Krokodil“ gespielt wird. Live kommt der Song viel besser rüber, als auf dem Album. Anfangs fand ich das Lied etwas nervig, dann wurde es aber doch zum Ohrwurm. Es folgt der Beatles-Klassiker „Come together“. Die Band hat ja des Öfteren angemerkt, dass sie das Lied mögen. Auf YouTube gibt es auch ein Cover-Video zu sehen. Die Band interpretiert den Song verdammt gut!
Richtig Gänsehaut hab ich dann natürlich wieder bei „Oft gefragt“ bekommen. Es ist auch schön zu hören, wie das Publikum mitsingt, ehrliche und handgemachte Musik ist einfach toll. Ich kann das Lied gar nicht oft genug hören – Hennings Stimme und sein Klavierspiel würden mir vollkommen ausreichen. Als nächstes kommt dann mein persönliches Highlight - das berühmt berüchtigte „Barfuß am Klavier“. Dies ist eines der besten auf Deutsch gesungen Liebeslieder die ich in letzter Zeit kennen lernen durfte, weswegen es vom Publikum natürlich auch gefeiert wird. Der Text ist geradezu sehnsüchtig und herzerweichend („… Ich träum dabei von Dir…“). Hinzu kommt noch der schöne, wohlige Klang des Klaviers und fertig ist der Ohrwurm des Jahres 2016! Ich konnte den Song eine Zeit lang gar nicht oft genug hören. Weiter geht es mit „Länger bleiben“, mit leicht verändertem Text und in einer insgesamt rockigeren Version als auf dem Album. Mit „Pocahontas“ folgt quasi schon ein Klassiker, der ebenfalls ordentlich rockt und Spaß macht.
Die nächsten Gäste sind K.I.Z. die zusammen mit AnnenMayKantereit den Titelsong ihres aktuellen Albums „Hurra die Welt geht Unter“. Auch wenn ich kein sonderlicher Freund von Hip-Hop bin, finde ich an dem Song mit seinem postapokalyptischen Text durchaus Gefallen. Den Abschluss des Livealbums macht dann „21, 22 ,23“, welches mit seinem schmunzelnden Text zu gefallen weiß, ehe das Konzert an dieser Stelle zu Ende ist.

Das war es also, das erstes Livealbum von AnnenMayKantereit und gelichzeitig das bisher größte Konzert ihrer Bandgeschichte. Live sind AnnenMayKantereit eine Wucht. Auf der Bühne lassen May und seine Kollegen Christopher Annen, Severin Kantereit und Bassist Malte Huck die Sau raus – und das klingt verdammt gut! Im Gegensatz zum Studioalbum, welches meiner Ansicht nach viel zu vorsichtig produziert wurde (siehe meine Rezension dazu), können die Musiker auf ihrem Livealbum die Energie und Dynamik einfangen, die sie einfach so erfolgreich machen. Die ganze Atmosphäre ist einfach herrlich, was natürlich dem Publikum zu verdanken ist. „Live in Berlin“ ist ein schönes Livealbum, welches die Lust- und Leidenschaft der Band, live zu performen, ausgezeichnet wiedergibt. Von mir gibt es daher 5 von 5 Sternen. Gut gemacht, Jungs!

Kleine Anmerkung noch von mir: Wenn ihr PRO ASYL unterstützen wollt, kauft das Album im Online-Shop von AnnenMayKantereit. Ich bin mir nicht sicher, ob die Erlöse der Amazon-Einkäufe auch an die Menschenrechtsorganisation gehen.

(Wenn ihr Fragen, Anmerkungen oder Kritik bezüglich meiner Rezension habt, dürft ihr dies gerne in den Kommentaren kundtun.)



(Eigene Fotos)


Weitere Rezension zu AnnenMayKantereit: